Quality of life in housing, experiences from a housing survey - Lebensqualität im Wohnbereich, Erfahrungen aufgrund von Wohnungs-Bewertungen


Wiegand, J.

Sozial- und Praventivmedizin 25(6): 314-321

1980


Swiss people are to a great extent lodgers living in rented flats or houses. Therefore the offer of dwellings on the market influences highly the living quality. This offer of dwellings within the range of new buildings has been systematically tested by means of the valuation system elaborated by the Federal Office for Housing. In flats of new buildings a disproportion of the size of the living room as compared to other rooms in frequently registered. Childrens' rooms and kitchens still are too small. The «saved» spaces are added to the living room, which as a consequence is very often oversized. As to the room disposal within the flats it is a fact that kitchen and eating places are mostly well connected. Too little attention however is given to the claim for bedrooms being out of the range of noise and disturbances from bathroom and lavatory. Unsatisfactory results are registered in connection with possibilities to change the lay out in the dwelling area. For most dwellings there are very little possibilities to join rooms together or to part them. With regard to the sites, much leaves to be desired. Particularly to be mentioned are the missing play grounds and possibilities for free-time occupation for youngsters and adults. Provision possibilites for the deserving a dwelling area are qualified according to the fact, that most new dwellings are built on the outskirts of towns or in the country. Therefore parks and forests are within reach but there is a lack of open air swimming pools, regional centers, etc. On the basis of the above mentioned investigation work it is shown, that dwellings with high comfort, i.e. high living quality are not necessarily to be more expensive. With a view to the importance of the offer of dwellings for the living quality an increased effort to raise living quality has to be required.

Sozial-
und
Präventivmedizin
Mädecine
sociale
et
präventive
25,
314
321
(1980)
Lebensqualität
im
Wohnbereich
Erfahrungen
aufgrund
von
Wohnungs-Bewertungen
J.
Wiegand,
BNM
Planconsult,
Basel'
(1)
Es
ist
bekannt:
Die
Schweiz
ist
ein
Volk
von
Mehrfamilienhaus
-Bewohnern
und
Mietern.
Nur
jeder
fünfte
Schweizer
hat
«vier
Wände»,
die
er
wenigstens
teilweise
mitbestimmen
konnte
und
kann,
weil
es
sich
um
ein
Einfamilienhaus
handelt.
Die
grosse
Masse
der
Wohnenden
lebt
in
Häusern,
auf
deren
Gestaltung
sie
keinerlei
Einfluss
hatten.
Nur
durch
die
Wahl
der
Wohnung
war
und
ist
es
jener
grossen
Mehrheit
möglich,
einen
entscheidenden
Bereich
der
Lebens-
qualität
zu
beeinflussen.
Aber
auch
diese
Wahl
ist
oft
nur
sehr
eingeschränkt
möglich.
Häufig
sind
die
Wunsch
-Wohnungen
zu
teuer
oder
es
fehlen
qualitativ
gute
Angebote.
Damit
wird
deutlich,
welche
Bedeutung
das
Woh-
nungs-Angebot
für
die
Lebensqualität
hat.
Daher
ist
es
auch
eine
wichtige
Frage,
ob
dieses
Angebot
gut
oder
weniger
gut
ist.
(2)
Diese
Frage
lässt
sich
aber
nur
beantworten,
wenn
man
einen
Massstab
für
Wohnqualität
hat.
In
der
Statistik
gebräuchliche
Massstäbe
sind
die
Wohnungsgrösse
(Zimmerzahl)
sowie
die
Ausstattung
mit
Küche,
Bad
und
WC.
Weil
jedoch
solche
Kenn-
zahlen
nur
ein
sehr
rudimentäres
Bild
vermitteln,
wurden
umfassendere
Messinstrumente
entwickelt.
Das
derzeit
umfassendste
stellt
wohl
das
Wohnungs-
Bewertungs-System
des
Bundesamtes
für
Wohungswe-
sen
dar
[1].
Bekannt
geworden
sind
auch
systematische
Wohnungs-Bewertungen
von
Grandjean
und
Mitar-
beitern
[2].
Das
System
des
Bundesamtes
für
Wohnungswesen
geht
von
Zielen
zum
Wohnwert
aus.
Wie
aus
Abbil-
dung
1
ersichtlich,
wird
der
Rahmen
für
Wohnqualität
weit
gesteckt,
beziehen
sich
doch
diese
Ziele
nicht
nur
auf
die
Wohnung,
sondern
auch
auf
die
Wohnanlage
und
die
Versorgungsqualität
des
Wohnstandortes.
Gemessen
wird
mit
insgesamt
75
Kriterien,
die
eben-
falls
gegliedert
sind
nach
Aspekten
der
Wohnung
der
Wohnanlage
der
Versorgungsqualität
des
Wohnstandortes.
Die
erhebliche
Kriterienzahl
(vgl.
Abb.
2-4)
und
die
Einbeziehung
von
Kriterien
auch
ausserhalb
der
enge-
ren
Wohnung
erlauben
relativ
detaillierte
Aussagen
zur
Wohnqualität.
Dabei
darf
nicht
verschwiegen
werden,
dass
jeder
Massstab
zur
Messung
von
Wohn-
qualität
letztlich
subjektiv
ist.
Es
gibt
keine
absoluten
Qualitätsstandards.
Man
kann
sich
bei
der
Eichung
eines
solchen
Instruments
nur
nach
den
in
einem
Land
zu
einer
bestimmten
Zeit
üblichen
bzw.
bewusst
gesetzten
Standards
richten.
Auch
das
Wohnungs-
1
Dr.
Ing.
Jürgen
Wiegand,
BNM
Planconsult,
Peter—Merian—Str.
34,4002
Basel
Lebensqualität
im
Wohnbereich
bedeutet
Anpas-
sung
der
Wohnbedingungen
an
die
physiologi-
schen,
psychologischen
und
sozialen
Bedürfnisse
der
Bewohner.
Aufgrund
der
heutigen
Kenntnisse
war
es
möglich,
einen
Katalog
von
Merkmalen
aufzustellen,
welcher
eine
Bewertung
zahlreicher
Elemente
einer
Wohnung
gestattet.
Die
vorlie-
gende
Arbeit
gibt
einen
Überblick
über
häufige
Wohnmängel,
die
aufgrund
des
Bewertungsver-
fahrens
in
Erscheinung
getreten
sind.
Bewertungs-System
beruht
einerseits
auf
Aussagen
in
der
Literatur
und
andererseits
auf
sozialnormativen
Standards,
die
zusammen
mit
einer
Kommission
aus-
gearbeitet
wurden.
(3)
Seit
1975
wird
dieses
Wohungs-Bewertungs-System
(WBS)
im
Rahmen
des
Wohnbau-
und
Eigentumför-
derungsgesetzes
(WEG)
praktisch
angewandt.
Bisher
wurden
ca.
20000
Neubau
-Wohnungen
einer
Überprü-
fung
unterzogen.
Angesichts
dieses
Materials
und
des
vorhandenen
Instrumentariums
lag
es
nahe,
den
Standard
des
heuti-
gen
Wohnungs-Angebotes
genauer
zu
untersuchen.
Anhand
einer
annäherungsweise
repräsentativ
ausge-
wählten
Zahl
von
2300
Wohnungen
der
Baujahre
1975
bis
1977
wurde
diese
Untersuchung
im
Auftrage
des
Bundesamtes
für
Wohnungswesen
durchgeführt
und
veröffentlicht
[3].
Im
folgenden
sollen
einige
wesentli-
che
Ergebnisse
vorgestellt
werden.
1.
Qualität
der
Wohnung
Grosse
Wohn-
und
kleine
Schlafräume
(1)
Es
muss
vorausgeschickt
werden,
dass
die
Woh-
nungen
für
die
Bewertung
und
die
statische
Auswer-
tung
nach
ihren
Belegungs-Möglichkeiten
klassifiziert
werden.
Als
Massstab
für
die
Normalbelegung
wurde
die
Personen
-Haushalts
-Grösse
(PHH)
gewählt.
Eine
4
PHH-Wohnung
kann
danach
nach
sozialnormativen
Standards
von
höchstens
4
Personen
belegt
werden.
Abb.
I.
Die
oberen
Ebenen
der
WBS
-Zielhierarchie.
Hoher
Wohnwert
Zielkomplexe
Oberzlo
110
Eignung
tur
variable
Nuirungen
IDO
Hoher
Wohnwert
de
,
Wohnung
—C
120
Eignung
fur
spenfische
Nutruneen
210
re16ghchkett
der
Auswahl
und
Anpassung
200
Huher
Wohnwert
dor
Wahnanlage
220
Angenehme,
ungestörte
Ormehung
Zar
Umwelt
230
G.heinsarne
Einnchtungen
L
300
Hone
VOMP11...M.
1
1101
310
Erhotungsmngfichkenan
320
Konsumangobotln
ausrmchendger
Ouelddt
133
Emnchtungon
tu,
soziale
Dienste,
LWdung
und
KLAUE
314
Sozial-
und
Präventivmedizin
Mädecine
sociale
et
präventive
25,
314
321
(1980)
Abb.
2.
Mit
40
Kriterien
wird
die
Wohnung
beurteilt.
WOHNUNG
Gewicht
Möblierbarkeit
Beziehungen
Veränderbarkeit
1
Fläche
Individualbereich
2
Fläche
Gemeinschaftsbereich
3
Fläche
Freiraum
4
Fläche
Küche
5
Fläche
Hygienebereich
6
Fläche
Verkehrsbereich
7
Fläche
Abstellbereich
8
Breite
Individualbereich
9
Breite
Gemeinschaftsbereich
10
Breite
Freiraum
11
Breite
Küche
12
Breite
Hygienebereich
13
Breite
Verkehrsbereich
14
Stellwände
/ndividualbereich
15
Stellwände
Gemeinschaftsbereich
16
il
7
5
6
14
10
8
12
6
16
Störung
Küche
-
Eingang
10
17
Störung
WC
-
Eingang
7
18
Störung
Individualbereich
-
Hygienebereich
16
19
Störung
Individualbereich
-
Eingang
11
20
Störung
Gemeinschaftsbereich
-
Eingang
6
21
Direkte
Verbindung
Freiraum
-
Wohnung
5
22
Direkte
Verbindung
Küche
-
Essplatz
4
21
Raumteiler
Individualbereich
8
24
Raumteiler
Gemeinschaftsbereich
7
25
Raumteiler
Individual
-
Gemeinschaftsbereich
5
26
Raumteller
Küche
-
Essplatz
7
27
Raumteiler
Flur
-
Gemeinschaftsbereich
28
Umbau
/ndividualbereich
38
29
Umbau
Gemeinschaftsbereich
21
30
Umbau
Individual
-
Gemeinschaftsbereich
11
Physiologisch
-technische
Eignung
und
Orientierung
31
Einbauschränke
im
Flur
32
Ausstattung
Küche
33
Ausstattung
Hygienebereich
34
Fenster
Küche
35
Fenster
Hygienebereich
36
Lage
Fenster
Aufenthaltsräume
37
WetterSchutz
Freiraum
38
Orientierung
Individualbereich
39
Orientierung
Gemeinschaftsbereich
40
Orientierung
Freiraum
5
6
18
6
32
3
5
4
3
Abb.
3.
19
Kriterien
beziehen
sich
auf
die
Wohnanlage.
WOHNANLAGE
Gewicht
Möglichkeit
der
Auswahl
und
Anpassung
41
Zuordnung
Individualberelch
18
42
Zuordnung
Gemeinschaftsbereich
43
Indirekte
Zuordnung
von
Räumen
13
44
Wohnung
und
Kleinwohnung
19
45
Auswahl
Treppenhaus
10
45
Auswahl
Wohnanlage
18
Hauseingang
Haustechnische
Einrichtungen
47
Attraktiver
Hauseingang
48
Abstellraum
ausserhalb
der
Wohnung
49
Abstellraum
Velos,
Motos,
Kinderwagen
50
Waschen
-
Trocknen
51
Kehrichtabstellplatz
Einrichtungen
für
Kleinkinder,
Kinder,
Jugendliche
und
Erwachsene
52
Werkstattraum
4
6
53
Kleinkinderspielplatz
im
HAUS
54
Kinderspielplatz
im
Haus
7
55
Versammlungs-,
Sport-
und
Musikraum
6
56
Kleinkinderspielplatz
im
Freien
10
57
58
Kinderspielplatz
im
Freien
Ballspielplatz
für
Familien
11
10
59
Gartenanteil,
Tierhaltung
9
Abb.
4.
Mit
16
Kriterien
wird
die
Versorgungsqualität
des
Wohnstandortes
bewertet.
A
WOHNSTANDORT
Gewicht
Erholungsmöglichkeiten
60
Freizeitanlage
im
Nahbereich
61
Robinsonspielplatz
im
Nahbereich
4
62
Siedlungsspielplatz
im
Nahbereich
5
63
Park
im
Nahbereich
64
Kleinhallenbad
6
65
Freibad
66
Erschlossener
Wald
67
68
Wanderwege,
Wintersport
Oeffentliche
Gewässer
8
12
20
Konsumangebot
69
Dorf-
bzw.
Quartierzentrum
42
70
Wegzeitdistanz
Regionalzentrum
59
Bildung,
Kultur,
71
soziale
Dienste
Kindergarten,
Vorschule
11
72
Volksschule
6
73
Schulen
im
Regionalbereich
18
74
Soziale
Dienste
18
75
Lokale
für
Veranstaltungen
9
(2)
Die
Wohnflächen
-Anforderungen
des
Wohnungs-
Bewertungs-Systems
wurden
befriedigend
erfüllt,
lagen
sie
doch
im
Durchschnitt
in
der
Mitte
der
Notenskala.
Folgende
Netto
-Wohnflächen
wurden
anhand
der
2300
Wohnungen
ermittelt:
Normal-
Miet-
Eigentums-
Einfamilien-
Im
Minimum
belegung
wohnungen
wohnungen
häuser
geforderte
m
2
ni
2
Fläche
1
PHH*
37,6
40,1
32,0
2
PHH
53,1
58,9
47,0
3
PHH
71,4
69,6
59,0
4
PHH
79,5
87,7
96,3
68,0
5
PHH
93,5
107,0
115,8
81,0
6
PHH
102,3
108,0
130,6
89,0
7
PHH
u,rn.
117,8
135,9
144,4
100,0
*nal
=
Personenhaushaltsgrösse
(3)
Verglichen
mit
den
Anforderungen
des
Wohnungs-
Bewertungs-Systems
fällt
jedoch
auf,
dass
die
Wohn
-
und
Essraumflächen
(Gemeinschaftsbereich)
grosszü-
gig
dimensioniert
werden,
jedoch
an
den
Flächen
für
Elternschlaf-
und
Kinderzimmer
(Individualbereich)
zu
sehr
gespart
wird.
Auch
die
Küchen
und
Badezim-
mer
(Haushalts-
und
Hygienebereich)
sind
eher
knapp
bemessen.
Aufgrund
der
Wohnungs-Bewertungen
drängt
sich
der
Eindruck
auf,
dass
die
Flächenverteilung
auf
die
ver-
schiedenen
Bereiche
der
Wohnungen
noch
zu
sehr
von
unrealistischen
Vorstellungen
der
Architekten
und
Bauherren
über
das
Zusammenleben
innerhalb
der
Wohnungen
oder
aber
zu
sehr
von
der
Befriedigung
von
Prestige
-Bedürfnissen
geprägt
wird.
Flächen
für
Basisfunktionen
wie
Kochen,
Schlafen,
Spielen,
Schul-
aufgaben
machen,
«sich
zurückziehen»
etc.
beschränkt
man.
Küchen
für
Wohnungen
mit
einer
Normal
-
Belegung
mit
4
Personen
sind
im
Durchschnitt
nur
7
m
2
gross!
Das
lässt
wenig
Raum
für
andere
Aktivitäten
ausser
Kochen
etwa
für
Basteln
oder
Frühstücken.
315
Sozial-
und
Präventivmedizin
Mädecine
sociale
et
präventive
25,
314
321
(1980)
Kinder-
und
Schlafzimmer
bieten
bei
diesen
Wohnun-
gen
im
Durchschnitt
nur
7,5
m'
je
Person.
Die
Folge
besteht
oft
in
einer
Einschränkung
der
Entfaltungs-
möglichkeiten
insbesondere
für
Kinder
(vgl.
Abb.
5).
Raumbeziehungen
und
Störungen
(1)
Die
Beziehungen
zwischen
Räumen
und
Nutzun-
gen
sind
ein
wesentlicher
Bestandteil
des
Wohnwertes;
sie
sind
zudem
ein
Merkmal
des
architektonischen
Entwurfes,
bei
dem
das
Geschick
des
Architekten
besonders
zum
Ausdruck
kommt.
Etwa
80
%
aller
erfassten
Wohnungen
weisen
eine
direkte
Beziehung
zwischen
Küche
und
Essplatz
auf.
Durch
die
Betonung
dieser
direkten
Beziehung
zeich-
net
sich
allerdings
eine
Art
Standardlösung
von
Küche
mit
vorgelagertem
Essplatz
ab.
Der
Verbindung
zwischen
Wohnräumen
und
Freiräu-
men
(Balkon,
Terrasse,
Loggia)
wird
dagegen
zu
wenig
Bedeutung
beigemessen.
Meist
kann
man
in
Mietwohnungen
nur
von
einem
einzigen
Raum,
in
der
Regel
dem
Wohnzimmer,
in
den
Freiraum
gelangen.
Wünschenswert
wäre
aber
auch
eine
direkte
Bezie-
hung
zwischen
Küche
und
Freiraum.
Das
würde
die
Benutzbarkeit
des
Freiraums
wesentlich
erhöhen.
(2)
Die
Tatsache,
dass
man
sich
auch
innerhalb
der
Wohnung
gegenseitig
stören
oder
von
Besuchern
gestört
fühlen
kann,
wird
bei
der
Gestaltung
von
Mietwohnungen
viel
zu
wenig
berücksichtigt.
Ein
Indiz
für
diese
Behauptung
liegt
in
dem
meist
mangel-
haften
Lärmschutz
innerhalb
der
Wohnung,
wodurch
erhebliche
Konflikte
in
einer
Familie
entstehen
kön-
Abb.
5.
Beengte
Verhältnisse
in
Kinderzimmern
sind
leider
nicht
selten.
nen.
Ein
weiteres
Indiz
dafür
ist
der
in
der
Regel
bei
Mietwohnungen
vernachlässigte,
jedoch
sehr
wichtige
Wohnwunsch
nach
störungsfreier
Beziehung
zwischen
Individual-
und
Hygienebereich.
Die
16jährige
Toch-
ter
oder
die
als
Gast
weilende
Tante
möchte
zum
Beispiel
vom
Schlafzimmer
ins
Bad
gelangen,
ohne
vom
Wohnzimmer
aus
gesehen
zu
werden
(vgl.
Abb.
6).
Mit
diesem
Beispiel
soll
gleichzeitig
daran
erinnert
werden,
dass
nur
ca.
23
%
der
Haushalte
aus
Eltern
mit
Kindern
unter
7
Jahren
bestehen.
In
der
Mehrzahl
der
Haushalte
leben
jedoch
neben
den
Erwachsenen
auch
Jugendliche,
die
ein
gegenseitiges
Abschirmungs-
bedürfnis
haben.
Abb.
6.
Die
Forderung
nach
störungsfreien
Raum
-
Beziehungen
kann
sehr
gut
(oben),
aber
auch
sehr
schlecht
(unten)
gelöst
werden.
RALKON
ESSEN
WOHNEN
2E
M
MEN
0
21)44ER
I#
311111111111
2[HM
ER
EIAO
W
WG
?A
ER
(),
WOHN
ESSEN
KÜCHE
0
N
BOO
316
Sozial-
und
Präventivmedizin
Medecine
sociale
et
präventive
25,
314
321
(1980)
Fehlende
Veränderbarkeit
(1)
Erfahrungsgemäss
werden
neben
der
guten
Möblierbarkeit
und
den
direkten
Verbindungen
der
Räume
über
den
Verkehrsbereich
(neutrale
Erschlies-
sung)
vor
allem
folgende
zwei
Mittel
zur
Anpassung
der
Wohnung
an
veränderte
Bedürfnisse
geschätzt
und
auch,
wenn
möglich,
genutzt:
die
kurzfristige
und
einfache
Verbindung
oder
Tren-
nung
von
Räumen
durch
Raumteiler
der
Umbau
von
Wohnungen,
wenn
sich
die
Bedürf-
nisse
erheblich
und
andauernd
geändert
haben.
Raumteiler
stellen
eine
beliebte
Lösung
der
Grossvä-
ter
dar.
Früher
waren
zwischen
den
Räumen
häufig
Schiebetüren
oder
Doppelflügeltüren
angeordnet
worden.
Bis
auf
die
Verbindung
Essplatz
und
Wohnraum,
bei
der
häufiger
Faltwände
zur
Anwendung
kommen,
wird
das
Mittel
der
Raumteiler
heute
leider
nur
selten
genutzt.
Dabei
wäre
es
zum
Beispiel
geschickt,
zwi-
schen
zwei
Kinderzimmern
einen
Raumteiler
anzuord-
nen,
so
dass
diese
Zimmer
bei
Bedarf
einfach
verbun-
den
aber
auch
wieder
getrennt
werden
können.
(2)
Falls
sich
bestimmte
Bedürfnisse,
die
mit
einer
Wohnung
befriedigt
werden
sollen,
erheblich
und
andauernd
geändert
haben,
sollte
ein
Umbau
möglich
sein.
Als
umbaubar
gelten
alle
nicht
tragenden
Wände,
bzw.
Wände,
die
später
erstellt
werden
kön-
nen.
«Umbaumöglichkeit»
im
Sinne
des
Wohnungs-
Bewertungs-Systems
bedeutet,
dass
die
neuen
oder
veränderten
Räume
ein
eigenes
Fenster
haben
und
direkt
vom
Verkehrsbereich
zu
erschliessen
sind.
Es
gibt
Kritiker,
die
behaupten,
diese
Art
der
Verän-
derbarkeit
sei
unnötig.
Wenn
ein
Mieter
andere
Räume
und
Raumordnungen
wünsche,
dann
ziehe
er
um.
So
einfach
und
beliebt
ist
das
Umziehen
jedoch
nicht.
Diese
Kritik
ist
auch
insofern
realitätsfern,
als
sie
nicht
die
starke
emotionale
Bindung
an
eine
Wohnung
zur
Kenntnis
nimmt,
welche
sich
meist
nach
einigen
Jahren
Wohndauer
einstellt.
Diese
Haushalte
ziehen
meistens
auch
dann
nicht
um,
wenn
die
Kinder
bereits
ausser
Haus
sind.
In
einem
solchen
Fall
kann
zum
Beispiel
der
schon
lang
gehegte
Wunsch
nach
einem
grösseren
Wohnraum
oder
Schlafzimmer
durch
Herausnehmen
von
Wänden
erfüllt
werden.
Auch
die
Möglichkeit,
nachträglich
eine
Verbindung
zu
schaf-
fen,
kann
wertvoll
sein
und
zum
Beispiel
als
«gefüll-
ter»
Türrahmen
bereits
im
Rohbau
vorgesehen
werden
(vgl.
Abb.
7).
Ebenso
wichtig
sind
die
Umbaumöglichkeiten
für
die
Hauseigentümer,
da
die
Erfahrung
zeigt,
dass
sich
die
Wohnansprüche
und
Wohnungsmärkte
stark
ändern
können.
Die
heutigen
Wohnungen
sind
jedoch
zumeist
umbau-
feindlich.
Obwohl
die
Baukosteneinsparungen
klein
sind,
werden
fast
alle
Wände
der
Wohnungen
tragend
ausgebildet
bzw.
die
Grundrisse
so
eingeteilt,
dass
keine
nutzbringenden
Umbauten
mehr
möglich
sind.
18
1
.
Abb.
7.
Später
evtl.
zweckmässige
Durchbrüche
kann
man
von
vornherein
vorsehen.
11.
Il
ka
mim
31111»
AN,
JE
4
.i.
Illitnaniiiii
'IMME
...
9
11•11114131113111
trommi
almi
tu
m
im.
p
in
—•.-
Ily
IM
-1
Gute
physiologisch
-technische
Eignung
(1)
Unter
dem
Begriff
«physiologisch
-technischer
Eig-
nung»
werden
hier
die
technische
Ausstattung
von
Bad
und
Küche
die
Belichtung
und
Belüftung
die
Besonnung
zusammengefasst.
Es
handelt
sich
also
um
Qualitäts-
bereiche,
die
hier
besonders
interessieren
dürften.
Generell
kann
festgestellt
werden,
dass
die
heutigen
Wohn
-Angebote
eine
hohe
physiologisch
-technische
Eignung
aufweisen
wenn
auch
hier
noch
manches
verbessert
werden
könne.
(2)
Bekannt
ist,
dass
eine
gute
Ausstattung
von
Küche
und
Bad
zu
den
wichtigsten
Verkaufs-
bzw.
Vermietar-
gumenten
gehört.
Bauherren
und
Architekten
richten
sich
danach.
Daher
können
auch
hier
im
Durchschnitt
gute
und
sehr
gute
Noten
vergeben
werden.
(3)
Bei
der
Frage
der
Belichtung
und
Belüftung
muss
zweierlei
vorausgeschickt
werden.
Es
ist
heute
zumin-
dest
bei
Mietwohnungen
üblich,
Bade-
und
WC-
Räume
innenliegend
anzuordnen.
Das
gilt
hier
für
70%
aller
überprüften
Fälle.
Die
Belichtung
von
Küchen
erfolgt
oft
über
dem
Essplatz.
Beide
Lösungen
werden
nach
dem
Wohnungs-Bewertungs-System
als
tolerabel,
jedoch
nicht
als
gut
eingestuft.
In
den
Aufenthaltsbereichen
herrschen
in
der
Regel
gute
Belichtungs-
und
Belüftungs-Verhältnisse
vor.
(4)
Auch
die
Besonnung
der
Wohungen
kann,
gemes-
sen
an
den
Anforderungen
des
Wohnungs-Bewer-
tungs-Systems,
als
gut
bezeichnet
werden.
Drei
Viertel
aller
Schlaf-
und
Kinderzimmer
sind
nach
Osten,
Süden
bzw.
Westen
orientiert.
Wohnzimmer
liegen
überwiegend
nach
Süden
oder
Westen.
2.
Qualität
der
Wohnanlage
(1)
In
den
letzten
Jahren
verstärkte
sich
die
Erkennt-
nis,
dass
zum
Wohnwert
die
Qualität
der
Wohnanlage
massgeblich
beiträgt.
Man
hat
beispielsweise
sehen
müssen,
dass
gute
Wohnungen
in
neuen
Siedlungen
teilweise
leer
stehen,
weil
die
Wohnanlage
zu
wenig
attraktiv
ist.
(2)
Unter
Wohnanlagen
werden
die
Wohngebäude
und
ihr
Nahbereich
(ca.
100
m
Umkreis)
verstanden.
317
Sozial-
und
Präventivmedizin
Mädecine
sociale
et
präventive
25,
314
321
(1980)
Qualitäten
von
Wohnanlagen
bestehen
vor
allem
in
Möglichkeiten
der
Wohnungsanpassung
und
-aus-
wahl
Hauseingang
und
haushalts-technischen
Einrich-
tungen
Einrichtungen
für
Kleinkinder,
Kinder,
Jugendliche
und
Erwachsene
Frei-
und
Grünflächen
Nicht
anpassbar
(1)
Die
spätere
Grössenanpassung
von
Wohnungen
kann
durch
zwei
Vorkehrungen
erreicht
werden:
die
Zuordnung
von
Kleinwohnungen
zu
grösseren
Wohnungen
die
Zuordnung
von
disponiblen
Einzelräumen
Wenn
Kleinwohnungen
und
grössere
Wohnungen
nebeneinander
liegen,
können
diese
bei
Bedarf
zusam-
mengelegt
werden,
sofern
eine
Verbindung
an
geeig-
neter
Stelle
vorgesehen
wurde
(vgl.
Abb.
8).
Haus-
haltsmitglieder
(z.B.
die
alleinstehende
Grossmutter)
könnten
dann
in
die
Kleinwohnung
ziehen,
hätten
einen
separaten
Eingang,
aber
auch
eine
unmittelbare
Verbindung
zur
Wohnung
der
Kinder.
Ein
früher
häufig
angewandtes
Mittel,
um
die
Woh-
nungsgrössen
verändern
zu
können,
lag
in
disponiblen
Einzelräumen.
Dazu
gehören
Räume
zwischen
zwei
Wohnungen,
die
entweder
der
einen
oder
anderen
Wohnung
zugeschlagen
werden
können,
und
zum
Beispiel
auch
die
früher
sehr
beliebten
Mansarden.
Erstaunlicherweise
bieten
die
Wohnungen
der
Sub-
ventionsgesuche
diese
Möglichkeiten
der
Anpassung
der
Wohnungsgrösse
nur
in
wenigen
Ausnahmefällen.
Die
Wohnungen
werden
fast
immer
«unanpassbar»
geplant.
Verbesserungsbedürftige
haushalts-technische
Einrichtungen
(1)
Die
gemeinsamen
haushalts-technischen
Einrich-
tungen
von
Miet-
und
Eigentumswohnungen
haben
ebenfalls
verschiedene
praktische
Anforderungen
zu
erfüllen.
Dazu
gehören
bequem
erreichbare,
gut
ausgestattete
und
genü-
gend
grosse
Waschküchen
genügend
Trockenräume
und
bequem
erreichbare
Trockenplätze
im
Freien
bequem
erreichbare
Kehrichtabstellplätze,
die
optisch
abgetrennt
sind
und
keine
Geruchsbelästi-
gungen
verursachen
genügend
grosse
und
bequem
erreichbare
Abstell-
räume
für
Lebensmittelvorräte,
Sport-
und
Saison-
kleider,
Sport-
und
Spielgeräte,
Werkzeuge
und
Bastelmaterialien
sowie
Reiseartikel
Räume
für
Kinderwagen
und
Spielgeräte
(z.B.
Schlitten,
Dreiräder)
in
der
Nähe
des
Hauseingangs.
(2)
Diesen
vielfältigen
praktischen
Anforderungen
an
die
haushalts-technischen
Einrichtungen
genügen
nur
wenige
Mehrfamilienhäuser
vollständig.
Zwar
werden
immer
wieder
einzelne
Anforderungen
des
Wohnungs-
Bewertungs-Systems
erfüllt,
andere
aber
wieder
ver-
nachlässigt.
Dazu
gehört
häufig
der
Kehrichtabstellplatz,
der
oft
kein
Objekt
für
rechtzeitige
und
intensive
Planungs-
überlegungen
zu
sein
scheint.
Zu
kritisieren
sind
daneben
vor
allem
die
Räume
für
Velos,
Motos
und
Kinderwagen,
die
überwiegend
zu
klein
geraten.
Spielmöglichkeiten
im
Freien
nur
für
Kinder?
(1)
Fast
immer
sind
in
den
Wohnanlagen
der
Subven-
tionsgesuche
Kinderspielplätze
eingeplant.
Geboten
wird
in
der
Regel
ein
mittlerer
Standard
mit
Rasen,
Sand,
Büschen,
Sitzgelegenheiten,
Versteck-
und
Klettermöglichkeiten.
Die
Bedürfnisse
der
Kinder
werden
damit
jedoch
nur
zum
Teil
gedeckt.
Meistens
fehlen
gedeckte
Flächen
und
grössere
Flä-
chen
mit
Hartbelag.
Gerade
die
letztgenannte
Forde-
rung
könnte
sehr
gut
auch
mit
Spiel-
bzw.
Wohnstras-
sen
erfüllt
werden,
die
keinesfalls
nur
auf
Altbauge-
biete
beschränkt
werden
sollten.
Spiel-
bzw.
Wohn-
strassen
dienen
den
Bedürfnissen
der
5-
bis
12jährigen
besser
als
abgezirkelte
Spielplätze.
Man
denke
nur
an
die
Hauptbeschäftigungen
dieser
Kinder
in
der
Frei-
zeit,
wie
Ballspiele,
Velo-
und
Rollschuhfahren,
Roll-
brettfahren
und
die
«öffentliche»
Kommunikation.
(2)
Vernachlässigt
werden
meist
die
Spielmöglichkei-
ten
für
Jugendliche
und
Erwachsene.
Angeboten
wer-
den,
wenn
überhaupt,
Rasenflächen
zwischen
den
Gebäuden.
Ob
sie
auch
nutzbar
sind,
sei
dahinge-
stellt.
Wünschenswert
wären
demgegenüber
Rasenflächen,
die
für
Ballspiele
speziell
hergerichtet
sind.
Zudem
sollten
Tischtennisplatten
und
ein
windgeschützter
Platz
mit
Hartbelag
angeboten
werden.
Abb.
8.
Benachbarte
Wohnungen
und
Kleinwohnun-
gen
bzw.
separate
Zimmer
können
bei
Bedarf
zusam-
mengelegt
oder
getrennt
werden.
318
Sozial-
und
Präventivmedizin
MädecIne
sociale
et
präventive
25,
314
321
(1980)
Steriles
Grün
(1)
Nur
selten
werden
heute
beim
mehrgeschossigen
Mietwohnungsbau
die
Freiflächen
vor
und
zwischen
den
Gebäuden
den
Hobby
-Gärtnern
zur
Verfügung
gestellt.
Dabei
zeigen
die
Beispiele
älterer
Siedlungen,
dass
Mieter
gerne
von
dieser
Möglichkeit
Gebrauch
machen.
Es
erstaunt
daher,
dass
die
vorhandenen
Freiflächen
in
meist
recht
sterile
Rasen-
und
Buschanlagen
verwan-
delt
werden.
Diese
nutzen
oft
niemandem
recht,
verursachen
dafür
aber
Unterhaltskosten.
Steht
dahin-
ter
die
Furcht
der
Vermieter
vor
Konflikten?
Bei
Wohnanlagen
mit
Eigentumswohnungen
ist
jedenfalls
der
eigene
Gartenanteil
häufiger
anzutreffen.
(2)
«Vergessen»
werden
in
der
Regel
auch
Möglichkei-
ten
für
die
Tierhaltung
im
Freien.
Zu
denken
ist
etwa
an
Kleintierställe.
Wer
einmal
beobachtet
hat,
welche
Freude
Kinder
an
Kaninchen,
Vögeln
usw.
haben,
kann
sich
über
den
Mangel
an
Tierhaltungsmöglichkei-
ten
nur
wundern.
Mehr
Offenheit
auch
für
solche
Bedürfnisse
wäre
dringend
zu
wünschen.
3.
Versorgungsqualität
des
Wohn-
standortes
(1)
Man
weiss
heute
aufgrund
vieler
Wohnwunschbe-
fragungen,
dass
die
Versorgungsqualität
als
wesentli-
cher
Teil
des
Wohnwertes
empfunden
wird.
Allerdings
sind
die
Probleme
der
Werterfassung
erheblich.
Die
gute
Versorgungsqualität
setzt
sich
ja
gerade
aus
der
Vielfalt
von
Dienstleistungen,
Einrichtungen
usw.
zusammen.
Die
Messung
kann
diese
Vielfalt
nur
in
groben
Ansätzen
erfassen.
Im
Rahmen
des
Wohnungs-Bewertungs-Systems
wer-
den
folgende
Qualitätsbereiche
berücksichtigt:
Erholungsmöglichkeiten
Konsumange
bot
Soziale
Dienste,
Bildung
und
Kultur
(2)
Da
Wohnungs-Neubauten
meist
an
den
Stadträn-
dern
bzw.
auf
dem
Lande
errichtet
werden,
ergibt
sich
bei
der
Versorgung
mit
Erholungseinrichtungen
ein
typisches
Bild:
Viel
Grün
und
wenig
Einrichtungen.
Von
den
meisten
neuen
Wohnungen
ist
es
nicht
weit
zur
freien
Natur,
zu
Wiesen,
Wäldern
und
Gewässern.
Es
fehlen
dagegen
nahe
gelegene
Freizeitanlagen
für
Jung
und
Alt,
wie
zum
Beispiel
Frei-
und
Hallenbäder.
(3)
Beim
Konsumangebot
wurde
zwischen
Dorf-
bzw.
Quartierzentren
für
den
täglichen
Bedarf
und
den
Regionzentren
für
den
periodischen
Bedarf
unter-
schieden.
Im
Durchschnitt
waren
die
Dorf-
bzw.
Quartierzen-
tren
etwa
700
Meter
von
den
Wohnungen
entfernt,
was
ca.
10
Gehminuten
entspricht.
Der
«Laden
um
die
Ecke»
besteht
also
meistens
nicht
mehr,
doch
sind
die
Entfernungen
in
der
Regel
ohne
grosse
Schwierigkei-
ten
zu
bewältigen.
Regionalzentren
mit
einem
breiteren
Angebot
ver-
schiedenster
Läden
und
Dienstleistungseinrichtungen
befinden
sich
bei
den
untersuchten
Neubau
-Wohnun-
gen
in
einer
durchschnittlichen
Entfernung
von
8,5
Abb.
9.
Unter
den
untersuchten
Wohnungen
gab
es
eine
ganze
Reihe
mit
relativ
hohem
Wohnwert
bei
relativ
niedrigen
Erstellungskosten,
wie
hier
an
Hand
des
Beispiels
der
5-PHH-Wohnungen
belegt
wird.
Wohnwert
von
Wohnung
+
Wohnanlage
1100
1000
900
800
700
600
80
••
00
OEM
•••
••
••
••
0000
000
••
IMMO
000
EM
••
••••
••••
•••
1106
••
•••
••
000
0000
bil
•••
00
. 0
SO»
«ON
NO»
mim
000
•••• MN»
elefe.
••••
••
et»
••••
••
••••
••••
92
104
116
Erstellungskosten
in
1'000
Fr.
4
Fälle
128
Grundgesamtheit:
556
Wohnungen
(Nov.
75
-
Nov.
77)
140
Kilometer.
Zur
Überwindung
dieser
Distanz
ist
in
der
Regel
ein
Auto
erforderlich.
Bei
Benutzung
öffentli-
cher
Verkehrsmittel
sofern
vorhanden
muss
ein-
schliesslich
Wartezeiten
mit
mindestens
einer
halben
Stunde
gerechnet
werden
ein
erheblicher
Zeitauf-
wand.
(4)
Die
Versorgung
mit
sozialen
Diensten,
Bildung
und
Kulturangeboten
ist
bei
Neubauwohnungen
oft
mit
der
Überwindung
erheblicher
Distanzen
verbunden.
Hier
wirkt
sich
am
stärksten
die
Tatsache
aus,
dass
neue
Wohnbauten
meist
am
Stadtrand
oder
auf
dem
Lande
errichtet
werden,
wo
eine
entsprechende
Infrastruktur
(noch?)
fehlt.
Eine
Ausnahme
bilden
hier
Grundschulen
und
Kin-
dergärten,
die
von
den
untersuchten
Wohnbauten
in
der
Regel
schnell
zu
erreichen
sind.
4.
Kosten
(1)
Wenn
kritisiert
wird,
dass
vieles
am
heutigen
Wohnungs-Angebot
unzureichend
sei,
so
halten
Bau-
herren
und
Architekten
oft
entgegen:
«Mit
mehr
Geld
kann
man
auch
bessere
Wohnungen
bauen.
Doch
das
zahlt
uns
heute
niemand.»
Dieses
Argument
ist
teils
zutreffend,
teils
falsch.
Tatsache
ist,
dass
bei
Mietwohnungen
typische
Kostenschwellen
bestehen.
Übersteigt
eine
Wohnung
in
einer
bestimmten
Lage
diese
Schwelle,
so
ist
sie
kaum
noch
vermietbar,
selbst
wenn
sie
viele
Extras
319
Sozial-
und
Präventivmedizin
Madecine
sociale
et
preventive
25,
314
321
(1980)
etwa
bei
den
Spielplätzen
etc.
bietet.
Denn
Ausgaben
für
evtl.
bessere
Wohnungen
stehen
in
Konkurrenz
zu
einem
anderen
wichtigen
Budget
-Posten
privater
Haushalte,
dem
Auto.
(2)
Falsch
ist
dieses
Argument
aber
insofern,
als
es
einen
linearen
Zusammenhang
zwischen
Wohnwert
-
Steigerung
und
Kosten
unterstellt.
Die
Untersuchun-
gen
zeigten,
dass
viele
qualitativ
gute
Wohnungen
in
den
Erstellungskosten
relativ
niedrig
liegen.
Deutlich
wurde
auch,
dass
teure
Wohnungen
nicht
immer
automatisch
gut
sind
(vgl.
Abb.
9).
Dieses
Ergebnis
ist
erfreulich,
zeigt
es
doch,
dass
relativ
hohe
Qualitäten
bei
mässigen
Kosten
möglich
sind.
Diese
Erkenntnis
deckt
sich
übrigens
auch
mit
der
Untersuchung
«Woh-
nen
im
Neubau»
[2].
Als
eine
der
Ursachen
für
diesen
Tatbestand
kann
angeführt
werden,
dass
die
Kosten
je
Wohnung
selbst
bei
gleicher
Wohnfläche
schwanken.
Umgekehrt
aus-
gedrückt:
Für
gleiche
Erstellungskosten
werden
relativ
grosse
und
relativ
kleine
Wohnungen
angeboten.
Das
liegt
nicht
nur
an
lokalen
Baukostenunterschieden,
sondern
auch
an
der
Organisation
der
am
Bau
Betei-
ligten
sowie
an
den
Gebäudetypen
(z.B.
niedrige
und
hohe
Gebäude),
an
den
Bauweisen
(z.B.
Decken-
spannweiten)
und
am
Ausbaustandard
(z.B.
Art
der
Bodenbeläge).
Durch
eine
geschickte
Wahl
und
Kom-
bination
von
Gebäudetyp,
Bauweise
und
Ausbau
lassen
sich
die
Kosten
je
m
2
Wohnfläche
erheblich
senken,
bzw.
bei
gleichen
Kosten
Wohnungen
mit
grösseren
Nutzflächen
bauen.
Zudem
gibt
es
auch
etliche
Wohnwerte,
die
gar
keine
oder
nur
geringe
zusätzliche
Erstellungskosten
verur-
sachen.
Dazu
gehören
z.B.
die
Länge
der
Möbelstell-
wände,
die
Raumbeziehungen
oder
die
Orientierung
der
Räume
zu
den
Himmelsrichtungen.
Es
bestätigt
sich
also
aufgrund
dieser
Überlegungen
die
Vermutung,
dass
nicht
Zufälligkeiten
Ursache
der
erheblichen
Streuung
zwischen
Erstellungskosten
und
Wohnwerten
sind.
Vielmehr
beruht
die
Tatsache,
dass
Wohnungen
mit
relativ
hohem
Wohnwert
kostengün-
stig,
aber
auch
teure
Wohnungen
qualitativ
weniger
gut
sein
können,
auf
Faktoren,
die
grösstenteils
beein-
flussbar
sind.
(3)
Angesichts
der
beschriebenen
Mängel
im
heutigen
Wohnungs-Angebot
kann
man
nur
hoffen,
dass
ver-
mehrt
von
der
Möglichkeit
Gebrauch
gemacht
wird,
durch
systematisches
Optimieren
der
Wohnbauten
und
durch
eine
gute
Organisation
des
Bauens
Woh-
nungen
mit
hohem
Wohnwert
bei
tragbaren
Kosten
anzubieten.
Entsprechende
Möglichkeiten
sind
lange
noch
nicht
ausgeschöpft.
In
dieser
Richtung
sollte
auch
noch
vermehrt
geforscht
und
öffentlich
gefördert
wer-
den.
Damit
lässt
sich
ein
wesentlicher
Beitrag
zur
Erhöhung
der
Lebensqualität
in
der
Schweiz
leisten.
Zusammenfassung
(1)
Die
Schweiz
ist
bekanntermassen
ein
Volk
von
Mietern.
Daher
hat
das
Wohnungsangebot
auf
dem
Markt
einen
massgeblichen
Einfluss
auf
die
Lebensqualität.
Dieses
Wohnungs-Angebot
wurde
im
Bereich
der
Neubauten
mit
Hilfe
des
Wohnungs-Bewertungs-
Systems
des
Bundesamtes
für
Wohnungswesen
systematisch
unter-
sucht.
(2)
Bei
den
Neubau
-Wohnungen
wurde
häufig
ein
Missverhältnis
in
den
Flächen
für
Wohnzimmer
und
übrigen
Räumen
festgestellt.
Nach
wie
vor
geraten
oft
Kinderzimmer
und
Küchen
zu
klein.
Die
dort
«eingesparten»
Flächen
werden
dem
Wohnzimmer
zugeschla-
gen,
die
oft
grösser
sind,
als
sie
unbedingt
sein
müssten.
Bei
den
Raumbeziehungen
in
den
Wohnungen
zeigt
sich
meist
eine
gute
Verbindung
zwischen
Küche
und
Essplatz.
Zu
wenig
beachtet
wird
dagegen
die
Forderung
nach
störungsfreier
Beziehung
zwischen
Schlafräumen
und
Bad
bzw.
WC.
Unbefriedigende
Ergebnisse
zeigen
sich
beim
Aspekt
der
Veränder-
barkeit.
Die
meisten
Wohnungen
bieten
nur
wenig
Möglichkeiten,
Räume
zu
verbinden
oder
zu
trennen.
(3)
Die
Wohnanlagen
lassen
ebenfalls
viele
Wünsche
offen.
Beson-
ders
erwähnenswert
sind
fehlende
Spielmöglichkeiten
für
Jugendli-
che
und
Erwachsene.
(4)
Die
Versorgungsqualität
des
Wohnstandortes
wird
durch
die
Tatsache
geprägt,
dass
die
meisten
neuen
Wohnbauten
am
Stadt-
rand
oder
auf
dem
Lande
errichtet
werden.
Dementsprechend
bestehen
in
der
Regel
nahe
Grünanlagen,
Wälder
etc.
Es
fehlen
dagegen
nahe
Versorgungseinrichtungen
wie
Freibäder,
Regional-
zentren.
(5)
Die
Untersuchung
kann
schliesslich
auch
zeigen,
dass
Wohnun-
gen
mit
hoher
Wohnqualität
nicht
teuer
sein
müssen.
Angesichts
der
Bedeutung
des
Wohnungs-Angebotes
für
die
Lebensqualität
ist
zu
fordern,
dass
vermehrte
Anstrengungen
zur
Steigerung
der
Wohn-
qualität
erfolgen.
Summary
Living
quality
in
the
area
of
dwelling
(1)
Swiss
people
are
to
a
great
extent
lodgers
living
in
rented
flats
or
houses.
Therefore
the
offer
of
dwellings
on
the
market
influences
highly
the
living
quality.
This
offer
of
dwellings
within
the
range
of
new
buildings
has
been
systematically
tested
by
means
of
the
valuation
system
elaborated
by
the
Federal
Office
for
Housing.
(2)
In
flats
of
new
buildings
a
disproportion
of
the
size
of
the
living
room
as
compared
to
other
rooms
in
frequently
registered.
Chil-
drens'
rooms
and
kitchens
still
are
too
small.
The
«saved»
spaces
are
added
to
the
living
room,
which
as
a
consequence
is
very
often
oversized.
As
to
the
room
disposal
within
the
flats
it
is
a
fact
that
kitchen
and
eating
places
are
mostly
well
connected.
Too
little
attention
however
is
given
to
the
claim
for
bedrooms
being
out
of
the
range
of
noise
and
disturbances
from
bathroom
and
lavatory.
Unsatisfactory
results
are
registered
in
connection
with
possibilities
to
change
the
lay
out
in
the
dwelling
area.
For
most
dwellings
there
are
very
little
possibilities
to
join
rooms
together
or
to
part
them.
(3)
With
regard
to
the
sites,
much
leaves
to
be
desired.
Particularly
to
be
mentioned
are
the
missing
play
grounds
and
possibilities
for
free-time
occupation
for
youngsters
and
adults.
(4)
Provision
possibilites
for
the
deserving
a
dwelling
area
are
qualified
according
to
the
fact,
that
most
new
dwellings
are
built
on
the
outskirts
of
towns
or
in
the
country.
Therefore
parks
and
forests
are
within
reach
but
there
is
a
lack
of
open
air
swimming
pools,
regional
centers,
etc.
(5)
On
the
basis
of
the
above
mentioned
investigation
work
it
is
shown,
that
dwellings
with
high
comfort,
i.e.
high
living
quality
are
not
necessarily
to
be
more
expensive.
With
a
view
to
the
importance
of
the
offer
of
dwellings
for
the
living
quality
an
increased
effort
to
raise
living
quality
has
to
be
required.
Resume
.
Qualite
de
la
vie
dans
la
domaine
de
l'habitation
(1)
Il
est
connu
que
la
Suisse
est
un
pays
de
locateures.
De
ce
fait,
l'offre
sur
le
marchä
de
logement
a
une
influence
considdrable
sur
la
qualite
de
la
vie.
Cette
offre
a
ete
analysde
systematiquement
dans
le
secteur
de
la
nouvelle
construction
en
moyen
du
systeme
d'evolution
des
logements
de
l'office
federal
du
logement.
(2)
On
a
frequemment
pu
constater
une
disproportion
de
surfaces
entre
sejours
et
pieces
reservees
ä
d'autre
fonctions
dans
les
apparte-
320
Sozial-
und
Präventivmedizin
Mädecine
sociale
et
präventive
25,
314
321
(1980)
ments
de
construction
recente.
Dans
la
plupart
des
cas
les
chambres
d'enfants
ainsi
«economisees»
vont
ä
l'avantage
des
sejours,
souvent
plus
grands
qu'ils
ne
devrait
l'etre.
Les
relations
entre
les
differents
pieces
des
logements
montrent
generalement
une
bonne
liaison
entre
cuisine
et
coin
ä
manger.
Le
besoin
de
relation
alsees
entre
chambres
ä
coucher
et
bains,
respecti-
vement
W.0
n'est
pas
assez
pris
en
consideration.
Les
possibilites
de
transformation
montrent
des
resultats
insatisfai-
sants.
La
plupart
des
logement
n'offrent
que
peu
de
possibilites
de
relier
ou
de
separer
des
espaces.
(3)
Les
installations
ne
satisfont
pas
non
plus
tous
les
vceux.
A
mentionner
en
particulier
l'absence
de
possibilites
de
jeu
pour
enfants
et
adultes.
(4)
Les
faits
montrent
que
la
plupart
des
nouvelles
habitations
sont
construit
en
banlieu
des
villes
ou
ä
la
campagne.
II
ne
resulte
en
regle
generale
la
proximite
de
zones
de
verdures,
de
forets
etc.
Par
contre
les
installations
comme
piscines,
centres
regionaux,
manquent.
(5)
L'etude
montre
egalement
que
des
logements
ä
qualite
elevees
ne
sont
pas
forcement
chers.
Au
vu
de
la
signification
pour
la
qualite
de
la
vie
que
represente
l'offre
de
logements,
an
peut
exiger
plus
d'efforts
pour
une
augmentation
de
la
qualite
de
l'habitation.
Literaturverzeichnis
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K.,
Keller,
Th.,
Meyer,
P.
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Wiegand,
J.:
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Schriftenreihe
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Drucksachen-
und
Materialzentrale,
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[2]
Grandjean,
E.,
Wehrli-Schindler,
B.,
Huser-Oesch,
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Bakke,
P.:
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im
Neubau,
Verlag
Paul
Haupt
Bern
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Stuttgart
(1976)
[3]
Wiegand,
J.,
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Th.:
Wohnungs-Bewertung
in
der
Anwen-
dung,
Schriftenreihe
Wohnungswesen
Nr.
9,
Eidg.
Drucksa-
chen-
und
Materialzentrale,
Bern
(1979)
321